Freitag, 30. Dezember 2016


Kinder- wie die Zeit vergeht!


Vor 12 Jahren kam mein Neffe Jonas in die Schule. Es gab eine Feier und ich brachte ihm als Geschenk einen Quilt mit. Er nannte sie gleich ABC-Decke und unter dieser Bezeichnung ist sie in meinem Quiltarchiv registriert. 


Bitte nicht lachen, ich habe tatsächlich ein Quiltarchiv. In den drei Jahrzehnten  meines Quilter-Lebens habe ich etwas über 120 Quilts genäht, große, kleine und ganz kleine, habe sie immer fotografiert und archiviert mit Titel, Entstehungsjahr, Größe, Technik und Bemerkungen, falls sie aus einem bestimmten Anlass entstanden sind. Jonas hat die Decke heute noch und benutzt sie noch- sagt seine Mutter. Die Mutter, mittlerweile selbst mit dem Patchworkvirus angesteckt, hat ihm sicherlich schon eine zusätzliche, "männlichere" gemacht.
Im letzten Jahr fragte ich ihn mal, wie halt so ältere Tanten junge Neffen fragen, ob er denn auch eine Freundin habe. Da antwortete er ganz spontan: Ja, Tante Regina, ich hab sogar drei! Auf meinen fragenden Blick hin erklärte er mir gleich, was er damit sagen möchte. Er ist Hobbymusiker, übrigens der erste und bisher einzige in unserer großen Familie. Er hat eine kleine Band gegründet und macht Musik. Mit den drei Freundinnen meinte er seine drei Gitarren.
Nun ja, es sind fast 12 jahre vergangen und im kommenden Frühjahr wird er sein Abitur machen. Das war für mich der Anlass, wieder etwas für ihn zu nähen. In unserer Patchworkgruppe Quilthuer hatten wir ein Projekt im Plan, bei dem es um das freie Quilten ging. Angelehnt an ein Foto, welches ich mal im www gesehen hatte entwarf ich einen Quilt mit drei Gitarren. Appliziert wurde mit selbst gefärbten Stoffen, jeder Zentimeter wurde gequiltet. Die Arbeit war sehr aufwändig, hat aber einen Riesenspass gemacht. Der Quilt soll für eine Wand in seinem Proberaum sein, den er sich in einem früheren Schweinestall eingerichtet hat. Nun warte ich nur noch auf die Nachricht: Abitur bestanden, kannst den Quilt losschicken!



Literarisches 

Schon als Kind hat es mir Freude gemacht, kleine Geschichten zu erfinden und sie in Notizbüchlein festzuhalten. Ich hab sie immer nur für mich niedergeschrieben. Manches habe ich dann meinem Sohn vorgelesen, wenn er die "üblichen" Geschichten, die man so beim Zubettbringen vorliest, langweilig fand.
Aber auch jetzt fällt mir hin und wieder mal was ein, was mir schreibenswert vorkommt und es gibt sie noch, die kleinen Notitzbüchlein mit meinen geistigen Ergüssen. Eine dieser Geschichten handelt von einem Quilt. Sie war ein kleiner Beitrag, als meine Freundin ihren ersten Patchworkkalender im Eigenverlag Quiltartig- Christine Lindner im Jahr 2006 herausgab. Unter dem Titel "Das geflickte Jahr" bekam man mit diesem Almanach einen tollen Kalender in die Hand, um alle wichtigen Termine rund um das Hobby (und natürlich auch andere) einzutragen. Der Almanch war aber auch eine Fundgrube mit schönen Abbildungen von Quilts, Arbeitsanleitungen, schlauen Sprüchen, Rätseln wunderschönen Grafiken und, und, und...
Einige Zeit erschien jährlich so ein Kalender. Schade, dass es ihn nicht mehr gibt, war er doch der einzige seiner Art in Deutschland. Aber jetzt verrate ich ein Geheimnis- bitte nicht weitersagen. 2017 wird es wieder einen geben.



Mit freundlicher Genehmigung der Verlegerin.


Hier der Originaltext der Geschichte.



Mein erster Quilt oder Eigentlich wollte ich ein Fahrrad verkaufen




Das Fahrrad in unserer Garage war uns schon lange im Weg. Man konnte es doch nicht einfach zum Sperrmüll geben, es hatte doch unserer Tochter so viele schöne Erlebnisse gebracht. Es war ihr erstes Selbstfinanziertes. Weil sie schon lange ein „richtiges“ Fahrrad wollte, nicht mehr so eins für Kinder, hatte sie vor vielen Jahren den Entschluss gefasst, alle um Geldgeschenke zu bitten, wenn Geburtstag, Weihnachten oder vielleicht gute Zensuren ins Haus standen. Jawohl, ein richtiges Damenrad sollte es sein….

Radtouren mit der Schulklasse, Fahrten zum ersten Freund, der erste Fahrradurlaub, wie viele schlaflose Nächte für uns  sind mit diesem Rad verbunden. Wir konnten immer erst  wieder ruhig schlafen, wenn sie von ihren Ausflügen zurück war.

Wie lange ist das schon her? Nun fährt sie Kinderwagen und ein Auto und das gute alte, damals lang ersehnte Rad nimmt uns nur Platz weg.

Samstagmorgen. Im Haus ist es still, ich sitze mit einem duftendem Kaffee in der Küche und lese meine Zeitung, bevor die übrigen Mitglieder der Familie kommen und die erste Mahlzeit ihrer seit Jahren gewohnten Vollpension einnehmen möchten. Da lese ich eine Anzeige.

„Gebrauchtes Damenrad, auch älteres Modell, fahrbereit, preisgünstig zu kaufen gesucht“. - Das wär’s, ich verkaufe das Rad. Und wenn die Tochter mal wieder mit dem Enkel kommt, dann bekommen sie das Geld und mein Mann endlich mehr Platz in seiner Garage.

Es ist noch nicht mal 8 Uhr, ob ich da schon anrufen kann? Wenn ich warte, dann bietet vielleicht jemand anderes ein Fahrrad an und ich bleibe auf unserem sitzen. Nur Mut, diejenige muss ja wissen, dass auch am frühen Morgen Leute Zeitung lesen.

Gedacht, getan- die Dame hat Interesse und kommt gleich morgen, um das Rad zu besichtigen. Sie möchte nach vielen Jahren wieder etwas für ihren Körper tun, sich erstmal langsam an das Radfahren rantasten und sich später dann ein Neues kaufen.

Der nächste Tag, ein Frühlingstag mit Regen, Wind und ziemlich niedrigen Temperaturen. Es klingelt, Frau M. steht vor der Tür und stellt sich als die Fahrradinteressentin vor. Wir gehen um die Ecke zur Garage. Dort steht es, das gute Stück, extra vom Staub der Jahre befreit, mit einer alten Decke bedeckt. Frau M. ist hin und weg- von der Decke! Es ist eine meiner ersten Patchworkdecken, für den Sohn vor mehr als 30 Jahren genäht.

Sie nimmt sie in die Hand und streichelt sie wie eine gute alte Bekannte. Es sind nur Quadrate, mit der Schere nach Augenmaß zugeschnitten, mit der Maschine nicht exakt genäht und vom vielen Benutzen im Bett, auf dem Fußboden, im Garten und am Strand schon recht verschlissen.

Ob ich die selbst gemacht hätte, wie alt sie sei, ob ich noch weitere angefertigt habe usw., usw. Ich bat Frau Müller ins Haus, denn die Garage war für eine Unterhaltung recht ungemütlich. Ich erzählte ihr von meiner Freude am Nähen, von meinen Quilts, die neben meinen Pflichten als berufstätige Mutter, Hausfrau und der Beschäftigung im Garten so im Laufe der Jahre entstanden sind. Plötzlich hatten sich, ohne dass dies zu vermuten war, zwei Quilterinnen gefunden, die nur ein paar Kilometer weit entfernt alleine vor sich hinquilteten. Sie erzählte von ihren Quilts, ich zeigte ihr einige von meinen, die Zeit verging. Wir verabredeten einen neuen Treff, schauten unsere Quilts an, tauschten Erfahrungen und Stoffe aus, redeten über dies und das und stellten fest, dass die Chemie zwischen uns stimmte.

Seit diesem Tag ist nun schon eine lange Zeit vergangen, gemeinsame Patchworkausstellungen haben stattgefunden, zusammen haben wir Patchworkkurse gegeben, denn alleine fehlte jeder immer der Mut dazu. Mit den Kursteilnehmerinnen treffen wir uns regelmäßig zum Patchen und zum Austausch von Erfahrungen, Tipps und Tricks. Ein richtige „Patcher- Szene“ hat sich im Umkreis gebildet. Ein gutes Gefühl, Quilter- Freundinnen gefunden zu haben, deren Existenz eine echte Bereicherung zum Alltag ist. Nur einer ist bei dieser Entwicklung nicht so zufrieden- mein Ehemann. Er klagt noch immer über das nutzlos in der Garage stehende Fahrrad. Er wird nun wohl die Entsorgung selbst in die Hand nehmen müssen. Denn was haben Quilterinnen mit einem Fahrrad am Hut?



Text: Regina Langbein



Auch Älteres hat das Recht, präsentiert zu werden


In diesem Post stelle ich einige Fotos ein, ohne immer Kommentare zu hinterlassen. Die schlechte Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen. Oftmals sind es Scans von Fotos, die auch schon beim Fotografieren keine Meisterleistungen waren. Es handelt sich hier um Projekte aus den frühen 90ern. Manche sind noch vorhanden und ruhen in Schränken und Truhen, manche wurden für einen bestimmten Anlass angefertigt und verschenkt. Andere fanden während einer Ausstellung einen Liebhaber und danach ein neues Zuhause. Dann gibt es welche, die zerschnitten wurden, mit anderen Dingen wieder zusammen verarbeitet und leben - wenn sie nicht den Weg zur Mülltonne gefunden haben, evtl. noch heute als Taschen, Täschchen, Beutel, Tischsets oder als Katzendecke weiter.














Hier wurden viele Stoffmuster in der Größe 4x4 cm verarbeitet.

Nähen über Papierschablonen- eine tolle Sache


Salamander (2015 -über Schablonen gepatcht und appliziert)

Sternenquilt 1992

Krankenhausquilt 1992- Für einen notwendigen längeren Krankenhausaufenthalt hatte ich für jeden Block die Schablonen und den Stoff geschnitten und eingetütet. Täglich saß ich im Bett und stichelte. 30 hatte ich geschafft, als ich wieder nach Hause durfte. Zusammengefügt wurden die Blöcke dann mit der Nähmaschine.



Dieser Quilt diente mir in den 90er Jahren als Anschauungsprojekt für das Handnähen in meinen ersten Patchworkkursen. Ich mag ihn noch heute. Denn verarbeitet wurde mein erster gekaufter Patchworkstoff, den ich mir damals leistete. Damals gab es viele Kataloge von  Patchworkläden, die sich auf dem Markt etablierten. Sie alle verschickten damals wunderschöne kostenlose Stoffmuster.  Jedoch fand  ich den Stoff teuer. Keiner ahnte, wie dann im Laufe der Jahre die Preise für schöne Baumwollstoffe in die Höhe gehen sollten. Grund genug, sich wieder auf Tradition zu besinnen und gebrauchte Stoffe zu verarbeiten. Diese Stoffe sind nicht minder schön, haben einen tollen Griff zum Handnähen und was das Wichtigste ist,- sie können  alle eine Geschichte erzählen, denn sie hatten schon ein Leben vor dem Quilt.

Großmutters Blumengarten

Viele meiner allerersten Arbeiten sind in der Methode" Nähen über Papierschablonen" entstanden. In der Spezialschule zur Ausbildung von Zirkelleitern für künstlerische Textilgestaltung , welche ich in den Jahren 1985 bis 1987 absolviert habe, wurde uns nur diese Technik vermittelt. Ich habe diese Sechsecke, die das Muster Blumengarten entstehen lassen , mittlerweile tausentfach ausgeschnitten, geheftet und die Einzelteile zusammengefügt. Ich liebe es, denn so wie andere stricken können, ohne hinzusehen, kann ich das Hexagonnähen auch (fast) blind. Die Decke, die am längsten in Gebrauch ist, ist aus dem Jahr 1987.
Meine  älteste Patchworkdecke  aus dem Jahr 1987.

Patchwork  und Applikation

Puppenbett mit Quilt- 32 cm "lang"

Restequilt aus Hexagons mit einer Seitenlänge von 0,75 cm. Er wächst und wächst und wächst...

Der kleinste meiner Blumengarten- Quilts ist ein winziger Wandbehang für meine Patchworkpuppenstube. Der Quilt ist 8 x 9,5 cm groß.



Blauer Mysterie- ein Quilt für eine Patchworkzeitung


Dieser Quilt sollte eigentlich in der Zeitschrift "Patchworkideen" veröffentlicht werden. Er sollte in 6 aufeinander folgenden Ausgaben als Mysterie-Quilt erscheinen. Viele unterschiedliche Techniken sind enthalten. Nähen auf Papier, Applikation, Wellenschnitt, Cracy usw.. Ganz viel Mühe hab ich in die Zeichnungen und den Text investiert. Leider wurde der Druck der "Patchworkideen" eingestellt und es kam nie zu einer Veröffentlichung. Zum Glück lag es nicht an mir und meinem Quilt. Sondern wohl daran, dass mittlerweile ganz, ganz viel deutschsprachige Zeitungen mit diesen Inhalten auf dem Markt waren. Da konnten nur die aus den großen Verlagen überleben. Schade.

Ein Amishquilt von mir in einer Fachzeitschrift

Ein Amish- Quilt aus dem Jahr 1997 mit aufwändigem Handquilting. Die Anleitung  für diesen Quilt wurde in der Zeitschrift "Patchwork - und Quiltjournal" in Österreich veröffentlicht. Ich war damals ganz stolz, denn das war schon etwas besonderes.


Und nun, fast 20 Jahre später, freut sich unsere Katze über den Quilt.
 ... alles blüht - angefertigt für die Ausstellung "Sommergarten" im Jahr 2007 (entworfen, gemalt, genäht, appliziert, gequiltet)
Schon sehr lange bin ich Leserin von unzähligen Blogs, schaue mir schöne Fotos an und bin begeistert, was die Kreativen so von ihren Nähereien zeigen. Nun habe ich den Entschluss gefasst, auch aktiv zu werden, denn zeigen kann ich eigentlich viel. Denn seit mehr als 30 Jahren mache ich Quilts. Beginnen werde ich mit Fotos einiger älterer Quilts, die nicht mehr so richtig meinen heutigen Stand entsprechen, aber an denen mein Herz hängt. Fotos, die in der Qualität leider nicht die besten sind, da sie noch aus der Zeit stammen, in der noch nicht an digitale Fotoaufnahmen zu denken war. Seid gespannt und geht mit mir gemeinsam auf eine Zeitreise in mein ganz privates Quiltarchiv.