... „poetischen“ Quiltreise ist nun erreicht.
Bereits zwei meiner Berichte handeln vom Poesie-Quilt. Um zu verstehen, um was es dabei geht, lest bitte hier und hier.
Nun widmete ich mich dem rechten Teil des Quilts.
Ich plante, auf dieser Fläche etwas zu applizieren. Aber was?
Ich erzähl es euch:
Im letzten Herbst hatte ich mich mit einem Experiment beschäftigt. Beim Rechen von Laub im Garten dachte ich an den Winter – an viel freie Zeit bei Regen und Schnee und ganz viel Raum für Kreatives.
Beim Anblick der Blätter erinnerte ich mich: Ich hatte vor längerer Zeit gelesen, dass man Blätter so bearbeiten könne, dass sie eine lederähnliche Struktur annehmen und sich sogar vernähen lassen. Das musste ich einfach ausprobieren. Also sammelte ich bei meinen Gartenarbeiten Blätter in unterschiedlichen Farben und mit schönen Blattadern.
Ich stellte eine Mischung aus einem Teil Glycerin – günstig in Drogerie oder Apotheke erhältlich – und zwei Teilen Wasser her. Diese füllte ich in eine Schüssel und legte die Blätter hinein. Damit sie vollständig bedeckt waren, beschwerte ich sie. Im Laufe der Zeit nahmen die Blätter die Flüssigkeit auf und wurden geschmeidig, biegsam und haltbar.
Nach etwa einer Woche ließ ich sie auf Küchenpapier trocknen.
Für eine glatte Oberfläche bügelte ich die Blätter anschließend zwischen zwei Lagen Backpapier. So erhielten sie tatsächlich eine lederähnliche Haptik. Dabei stellte ich fest, dass sich leicht feuchte Blätter besser verarbeiten lassen als getrocknete.
Ich wählte passende Blätter für meinen Quilt aus und bügelte auf deren Rückseite Vliesofix. Anschließend begann ich mit der Gestaltung: Ich legte die Blätter aus, schnitt einige zurecht und arrangierte sie immer wieder neu, bis ich die für mich stimmige Komposition gefunden hatte. Von dieser finalen Anordnung machte ich ein Arbeitsfoto.
Schließlich entschied ich mich gegen eine klassische Applikation. In einer Arbeitsprobe hatten mir die Stiche an den Rändern der Blätter nicht gefallen. Stattdessen nähte ich die Blätter sparsam ausschließlich durch senkrechte Quiltlinien auf. Die Linien zeichnete ich vor und richtete die Blätter daran aus, sodass sie beim Quilten gleich mitgefasst wurden.
Als besonderer Blickfang fehlte noch etwas. In meinem Fundus fand ich Knöpfe aus Wurzelholz, die mir mein Herr L. vor vielen Jahren gefertigt hatte – sie passten perfekt zu diesem Quilt.
Das Binding stellte mich dann noch einmal vor eine kleine Herausforderung, da der grüne Stoff - ACH DU SCHRECK - knapp war. Ursprünglich hatte ich ein doppeltes Binding aus grauem Stoff mit einer grünen Biese geplant, doch dafür reichte der grüne nicht. Kurzerhand setzte ich grün und grau zu einem Streifen zusammen – entscheidend war für mich, dass auf der Vorderseite ausschließlich Grün sichtbar ist. Auf der Rückseite würde die Lösung nicht auffallen.
Auch über eine zusätzliche Gestaltung hatte ich nachgedacht: den Liedtitel „Alt wie ein Baum möchte ich werden...“ frei mit der Maschine in dunkelgrünem Garn zu sticken. Nach einem Gespräch mit meinen Quiltmädels am vergangenen Sonnabend entschied ich mich jedoch dagegen – und bin im Nachhinein froh darüber.
Die geschriebenen Buchstaben wurden einfach mit heißer Luft aus dem Fön weggepustet.
Nun ist er fertig, mein Quilt zum Thema „Poesie“. Er lässt Raum für Interpretationen, doch die Verbindung zu einem Baum – oder mehreren – ist, so denke ich, deutlich erkennbar.
Die Arbeiten der anderen unserer Patchworkgruppe werden später auf der Seite von QuilThuer zu sehen sein.
PS: Ich werde das Ende dieser Geschichte bei Anitas BINGO verlinken. Weil ich Blätter vom letzten Jahr für den Quilt verwendet habe, streiche ich das Feld "DER HERBST IST DA".













