Montag, 30. Januar 2017

Streichelstoffe für ein neues Projekt


Liebe Leserinnen, geht es euch auch so?


Ihr habt schöne Stoffe in eurem Schrank, im Laufe der Jahre gesammelt und sie wurden bisher immer nur beim Aufräumen der Schränke herausgenommen. Oder nur, um sie einfach mal anzusehen und zu streicheln, weil sie so schön sind. Bei mir sind es viele Stoffe die ich von Reisen mitgebracht habe, einige davon wirklich schon gut "abgelagert". Ihr werdet es nicht glauben, aber bei einzelnen Stückchen weiß ich noch genau, in welchem Laden sie erworben wurden. Bloß gut, dass ich nie auf meinen Mann höre. Er sagt immer ich solle reichlich kaufen, denn schon oft musste er von mir hören: "Mist, nun fehlt mir von dem oder von dem ein kleines Stück". Aber da wären ja meine Schränke noch voller- mit Streichelstoffen. Ich habe manchmal das Gefühl, wenn ich so ein Schätzchen zerschneiden will muss ich mich vorher bei ihm entschuldigen!!!
Sagt es mir bitte, wenn ich die Einzige sein sollte, der es so geht.

Der Winter ist in vollem Gange und los ging es nach meinen fliegenden Gänsen mit einem neuen Projekt. Lange ging ich damit schwanger, aus meinen Batikstoffen einen schönen Quilt nur für mich zu machen. Ich hatte  im letzten Jahr bei einer Patchworkausstellung in Frankreich  mal ein tolles Muster gesehen und das wollte ich nähen

Die Entscheidung fiel auf den Entwurf rechts.

Die Anleitung dafür, ganz ehrlich, war mir mit fast 20 Euro eindeutig zu teuer. Wenn noch ein halber Meter Stoff dabei gewesen wäre, ja. Aber nein, da gibt es andere Möglichkeiten. Eine Patchworkfreundin hatte auch Interesse und so haben wir den Quilt einfach gestohlen. I wo, nicht wirklich, sondern mit dem Fotoapparat. Was habt ihr gerade gesagt, dort ist doch überall fotografieren verboten. Ja sicherlich, aber nicht, wenn  man die Standinhaberin nett bittet, dass wir sie doch gerne mal zusammen mit uns auf einem Foto hätten, weil sie so eine tolle Weste an hat. Also haben wir uns vor den Quilt gestellt, eine andere hat auf den Auslöser gedrückt und fertig. Passt scho, sagen die Bayern, glaube ich. 

Das fertige Top.
Kaleidoskop nennt sich das Muster, hatte ich mittlerweile rausgefunden. Ein Lineal für das rationelle Zuschneiden hab ich mir besorgt und freute mich sehr auf das Nähen. Lange saß ich und machte einen Entwurf für meinen Quilt. Begonnen hab ich erstmal mit Papier und den guten alten Buntstiften. Aber da musste ich auch radieren und das ist, was ich garnicht wusste, mit Buntstiften schlecht möglich. 
Dann hab ich es mit einem Grafikprogramm und dem PC begonnen, das hat so seine Vorteile. Nach dem Erstellen des Grundrasters reichen Mausklicks, um die Flächen mit Farbe zu füllen oder wieder zu löschen.
Alle Batikstoffe wurden rausgelegt, 22 an der Zahl und ganz rationell mit dem Caleidoruler  zugeschnitten. Es war richtig schön, dass keinerlei Abfall anfällt. Eigentlich bin ich nicht diejenige, die zu jeder Technik ein extra Lineal kaufen muss, aber das hat sich ausgezahlt. Ich bin von der Arbeitsweise damit mehr als begeistert. Nun denke ich darüber nach, dieses Thema in meinen Kursen anzubieten. Was haltet ihr davon? Aber erst mal möchte ich euch mein fertiges Top zeigen. Es war schneller fertig als gedacht. Quilten? Wie? Mal sehen, kommt Zeit- kommt Rat. Ich habe bereits eine neue Idee für ein neues Projekt.   



Aber jetzt nochmal die Frage, habt ihr auch solche Streichelstoffe?

Samstag, 28. Januar 2017

Fertig!!!



Ich möchte euch nun auch meinen fertigen "Woher-Wohin- Quilt" zeigen. Eigentlich hatte ich ihn weggelegt und wollte das Binding später annähen. Aber es gab einen unvorhergesehen Stau beim aktuellen Projekt und deshalb wurde das Binding nicht länger hinausgeschoben.
Die Mühen haben sich gelohnt, mir gefällt er gut. Vorallem kamen nur selbstgefärbte Stoffe zum Einsatz. Das macht Lust auf Färben. Aber später, im Frühling, im Garten, ohne Schnee. Mit viel Sonne mache ich dann Sunprinting. Kennt ihr das??? Und die Farben bluten nach dem Spülen nicht aus. Das ist Super!

Donnerstag, 19. Januar 2017

Der letzte aus 2016 oder wie die Lust  am Patchwork vermiest werden kann

(ein kritischer Bericht)

Der letzte Quilt im Jahr 2016 war gar nicht mehr geplant. Doch als ich Mitte Dezember das Cover der Ausgabe der BURDA Patchwork im Regal am Kiosk sah, war ich hin und weg. Der Titelquilt " sprach " sofort zu mir und ich kaufte die Zeitung. Seit langer Zeit mal wieder eine Patchworkzeitung, das will bei mir was heißen, schau ich sie mir doch immer nur an und lege sie wieder weg, weil mich der Inhalt nicht überzeugt. Wie denn auch, wenn sich bereits Hunderte Ausgaben verschiedener Verlage aus fast 3 Jahrzehnten in den Regalen stapeln. Anschauen tue ich sie mir ganz gerne, aber kaufen- nein. Liebe Verlage, seid mir bitte nicht böse, aber ihr habt schon viel Geld mit mir verdient. Und ich habe auch schon einiges durch eure Zeitungen gelernt, das muss ich sagen. Auch bei diesem Projekt bin ich wieder um einiges schlauer geworden. Echt.

Wie begeistert ich von dem Quilt war zeigt die Tatsache, dass ich auf dem Heimweg vom Einkaufen ganz, ganz still neben meinem Gatten im Auto saß. Ganz in Gedanken versunken suchte ich schon die Stoffe zusammen, die ich für dieses Teil verwenden wollte. Jede Menge selbstgefärbte Stoffe sind in meinem Bestand, die mir sehr gut geeignet schienen und die nun ihren großen Auftritt haben sollten.
Als ich den Bogen raustrennte sah ich, dass der Musterbogen nicht in Originalgröße abgedruckt war, sondern auf 200 % vergrößert werden musste. In Ermangelung eines Copyshops in meinem Dorf legte ich den Bogen auf meinen Scanner, um alles nach dem Vergrößern mit dem PC auszudrucken und um die Seiten dann zusammen zu fügen. Erst da bemerkte ich, dass die "Gänse" auf den Ausdrucken nicht zu sehen sind, weil sie auf dem Originalbogen nur mit hellgrauen Linien eingezeichnet waren. Ich war sehr verärgert, das kann ich euch sagen. Nun, ja, die Gänse kann man ja nachzeichnen, die müssen ja nicht genauso sein wie im Original. Aber der zusätzliche Aufwand! 
Alle Seiten wurden zusammen geklebt und der Plan in Originalgröße war fertig. Nun musste man ja die Schablonen machen, um nach der Methode nähen auf Papier weiter arbeiten zu können. Aber wer die Technik kennt weiß, dass die Schablonen gespiegelt sein müssen, will man alles so haben wie im Original. Also würde das bedeuten, dass man den gesamten Plan eigentlich dreimal zeichnen muss.  
Einzelne Arbeitsschritte
  Einmal auf das Schablonenpapier, einmal auf die Rückseite, um das Spiegelbild zu bekommen und dann nochmal alle einzelnen Schablonen. Aber da hat das Zeichnen noch kein Ende, nein, man muss ja dann noch um jedes Teil laut Anleitung eine Nahtzugabe von 1cm einzeichnen. Warum eigentlich 1 cm, wenn die NZG dann auf 0,75 zurückgeschnitten wird? 
Leute, nun stelle ich die Frage, warum man so etwas abdruckt. Muss man uns die Freude am Patchworken so vermiesen. Ich denke da besonders an die Frauen, die sich ihre knappe Freizeit nach einem stressigen Job, nach dem Einkaufen und Kochen, Schularbeiten kontrollieren, Wäschewaschen und dem Bügeln und Putzen stehlen müssen, um zur Entspannung etwas zu nähen. Warum druckt man den Plan nicht gleich so ab, dass sich ein großer Teil des  Zeichenaufwands erübrigt? Oder bietet gleich den Hinweis an, wo man die Schablonen für welchen Preis kaufen kann. Teurer als die Vergrößerungen im Copyshop können sie auch nicht sein. Klar, mit dem PC ist heute vieles zu Hause machbar, aber nicht jede gute Quilterin kann auch gut mit dem Computer umgehen.


Und weil ich ob dieses unnützen Aufwandes in der heutigen Zeit so verärgert war, habe ich gleich eine Mail an den Verlag geschrieben, um mir Luft zu machen. Ich bin der Meinung, man sollte Kritik äußern, woher sollen sie sonst wissen, wenn etwas in ihren Zeitungen nicht in Ordnung ist. Netterweise bekam ich schnell eine Antwort mit einer PDF-Datei und dem Plan in A4- Größe mit gut sichtbaren Gänsen. Ich erhielt auch die Mail-Adresse der Autorin dieses Beitrags, dort könne ich für ein kleines Entgelt die Originalschablonen erwerben. Da habe ich dann auch gleich angefragt, aber auf eine Antwort warte ich bis heute. Leider.

Die Fehler, die ich dann beim Nähen gemacht habe und die mir dann gefühlte 100 mal das Gefühl gaben, alles in die Tonne werfen zu müssen, stehen auf einem anderen Blatt. Und die habe ich mir zuzuschreiben. Bedingt vor allem durch die unterschiedliche Stoffdicke meiner selbstgefärbten Stoffe ergaben sich Größenveränderungen der Einzelteile, die nur mit Einsatz von Trenner, Handnähen, Applizieren und mit viel, viel Geduld zu bewältigen waren. 

Aber nun ist der Quilt (fast) fertig. Ich muß noch einzelne Teile mit der Hand quilten, weil das mit der Maschine nicht geht, die Teile sind einfach zu klein und es wird nicht exakt. Aber ich hab´s erst mal zur Seite gelegt. Der Winter dauert ja etwas. Unsere Katze jedenfalls war zufrieden. Helfen konnte sie allerdings nicht.   

Mittwoch, 18. Januar 2017

Das Hennebergische Museum Kloster Vessra-

eine gute Adresse, wenn es um Patchwork geht

Meine Quilts im Jahr 1996.
In den 90er Jahren arbeitete meine ebenfalls quiltende Freundin Christine im Hennebergischen Museum Kloster Vessra. Und wenn man mit Frauen zusammenarbeitet bleibt es ja nicht aus, sich über Familie und Hobbys auszutauschen. So war es unausweichlich, dass irgendwann auch mal mit den Kolleginnen ein Patchworkkurs stattfand. Die Museumsfrauen waren von dieser, ihnen bisher unbekannten Handarbeitstechnik, begeistert.
1999 organisierte Christine im Museum dann den ersten "Patchworksommer", mit Workshops, Kursen und natürlich unserer ersten gemeinsamen Patchworkausstellung im Coburger Stall. Diese  hatte großen Erfolg, denn es gab in dieser Region bisher in dieser Sparte nichts Vergleichbares. Im Jahr 2000 wurde das Museum 25 Jahre alt. Das Museum ist ja ein Freilichmuseum  mit wunderbaren alten Häusern und einem schönem Außengelände mit altem Baumbestand. Das schrie förmlich danach, in diesem Ambiente Quilts zur Schau zu stellen.
So entstand im Museum die Idee, zu diesem Jahrestag einen Kalender herauszugeben. Natürlich mit Quilts, sonst hätte ich ja keine Veranlassung, darüber zu berichten. So wurde aus unserem damaligen Quiltbestand passendes ausgewählt. Christine hat sie gemeinsam mit dem Fotografen B. Großmann vom Museum  im Gelände und in den Häusern richtig in Szene gesetzt und fotografiert. Ein ansprechender Kalender ist entstanden und als "Nebenprodukt" noch eine schöne Postkarte mit einem alten Bauernschrank, in dem natürlich ganz, ganz viele Quilts von mir und Christine Lindner präsentiert werden konnten. Die Karte findet solch einen Absatz, dass noch immer nachgedruckt wird.

Postkarte mit Bauernschrank im Fachwerkhaus aus Witzelsroda aus dem Jahr 1807

Inzwischen sind viele Jahre vergangen, viele Kurse, Workshops und Patchwork- Ausstellungen haben dort stattgefunden.
Darüber hinaus habe ich seit 10 Jahren (wir haben dieses Jahr  Gruppenjubiläum, Kinder, wie die Zeit vergeht!)die Möglichkeit mich mit meinen Patchworkmädels monatlich einmal in einem Raum dort zu treffen, dafür sind wir sehr, sehr dankbar. Im letzten Sommer durfte unsere Gruppe 3 Monate lang in der "Kleinen Galerie" Quilts ausstellen, die während der letzten Jahre unter meiner Anleitung entstandenen sind. (Über diese Ausstellung werde ich in einem anderen Post noch ausführlicher berichten.) Wir haben uns darüber natürlich sehr gefreut.
Der Höhepunkt der Ausstellung war im August eine Spontanausstellung im Freigelände, bei welcher ein sagenhafter Besucherrekord zu verzeichnen war. In Sachen Patchwork ist diese Einrichtung inzwischen eine feste Größe in der Region geworden, dank auch der sehr guten Zusammenarbeit mit den dortigen Mitarbeitern. Vielen Dank.

Fotos aus dem Kalender mit freundlicher Genehmigung der Autoren

Und wen es interessiert: Am 6. August 2017  findet dort die Regionalversammlung der Regionen  Sachsen, Thüringen, Sachsen - Anhalt(Süd) der Patchworkgilde Deutschland statt. Auch an diesem Tag wird es eine Patchwork- Spontanausstellung geben. Ihr seid alle recht herzlich eingeladen!

Dienstag, 17. Januar 2017

Ein Regalquilt zum Geburtstag


Christa, eine liebe Freundin, hatte im Dezember einen runden Geburtstag. Eigentlich besteht unter uns die Abmachung: Keine Geschenke!
Aber sie wirft, wenn sie bei uns ist, auch gerne mal einen Blick in meine Nähwerkstatt. War sie doch sehr lange auch ein fleißiges Mitglied meiner Handarbeitsgruppe in unserem Ort.

Im Treppenhaus zu meinem Nähzimmer habe ich mir eine kleine Galerie mit wechselnden Quilts eingerichtet. Dort hängt bereits ein solcher Quilt, den ich vor ca. 2 Jahren mal angefertigt habe. Bei diesem ersten Regalquilt hatte ich Fotos von unsere Familie, von meinen eigenen Keramiken und schöne Motive aus dem Internet auf Stoff gedruckt und mit passenden Stoffen zusammen verarbeitet. Die Motive habe ich alle mit Vliesofix aufgebügelt und mit einem transparentem Faden appliziert.  Der schwarze Hintergrund wurde ganz eng frei gequiltet. Eigentlich eine sehr aufwändigere Arbeit als nur Stoffe zu zerschneiden und  wieder aneinander zu nähen.
Schöne alte Taschentücher mit Spitze bekamen ihren Auftritt

Auch Fotos meiner eigenen Keramiken wurden mit eingearbeitet
Einmal stand die Christa vor meinem Quilt und fragte mich, ob sie denn sowas auch nähen könnte. Ich erklärte ihr, das Nähen sei sicher nicht das Problem, aber die sehr aufwändige Vorbereitung davor am Computer. Denn die Motive müssen alle auf die richtige Größe gebracht werden, die  Fotos brauchen alle einen schönen Rahmen.... und mit dem PC kann sie garnicht umgehen.
Und da hatte ich die Idee. Einen solchen Quilt, im Kleinformat, sollte sie zu ihrem runden Geburtstag von mir bekommen. Ich bat ihre Tochter um ein paar Fotos und machte mich an die Planung. Die Bilderflut in meinem Mail- Briefkasten nahm kein Ende. 42 Fotos sollten verarbeitet werden, weil doch jedes dieser Bilder irgendwie wichtig wäre.  Nun ja, alle konnte ich nicht berücksichtigen, aber viele. Die Wahl fiel schwer, denn es sollten ja nicht nur Fotos im "Regal" stehen. Nach unzähligen Stunden am Computer und an der Nähmaschine war er fertig, mein zweiter Regalquilt!


Regalquilt  80 x 120 cm
(Leider hat das Foto keine so gute Qualität. Aber wenn der Quilt seinen Platz gefunden hat, werde ich das Foto gegen ein besseres austauschen.)

Ich muß euch sagen, dass es mir selten soviel Freude gemacht hat, einen Quilt zu nähen. War er doch so persönlich, nur für diese eine Person bestimmt und mit so vielen Erinnerungen aus ihrem Leben  gestaltet. Bilder von ihre Hochzeit, ihrer Tochter, ihren Enkeltöchtern, von den Urenkelinnen, vom Lebensgefährten, Urlaubsfotos  und Erinnerungen an Adi, dem Hund. Und immer hatte ich beim Arbeiten die Augen vor mir, die sie machen würde, wenn sie den Quilt auspackt.  

Und nun verrate ich euch, das Geschenk hat sie zu Tränen gerührt. Keine Stunde am Computer und keine an der Nähmaschine habe ich bereut. Kein Film, den ich verpasst habe, war so wichtig wie die Arbeit an diesem Projekt. Und wenn ihr mich fragt - ich würde es wieder tun.






Sonntag, 15. Januar 2017

Kursvorbereitung - Freies Quilten und eine (wahre) Geschichte dazu


Da nun einige meiner Kursmädels noch einen Versuch im freien Quilten starten möchten, habe ich als Inspiration eine Musterdecke begonnen. Es sind Teile, die nicht groß sind. Klein genug, um sie beim Quilten gut händeln zu können, groß genug, um etwas daraus zu machen. Notwendige Zeichenübungen haben wir immer mal zwischendurch absolviert. 

Und in diesem Zusammenhang eine Geschichte aus dem wahren Leben.
Im vergangenen Jahr, kurz vor dem Ende der Sommerpause, rief mich eine meiner Kurs- Damen an und berichtete mir ganz stolz, dass sie sich im Urlaub eine Nähmaschine gekauft hätte, neu- für nur 55 Euro!!! Ob man mit ihr auch frei quilten könne, wollte sie nun von mir wissen. Denn sie wollte unbedingt einen Quiltkurs bei mir belegen. Sie konnte mir aber nicht sagen, was das für eine Maschine ist, ob sie einen versenkbaren Transporteur hat, ob man einen Quiltfuß dafür erwerben kann usw.. Nur den Super- Preis konnte sie mir sagen. Nun bin ich ja eine Kursleiterin, die nie verlangt, teure Maschinen, hochwertige Stoffe und unnützes Zubehör zu kaufen. Als DDR-Kind finde ich für mich und für meine Kursfrauen für (fast) alles eine günstige Lösung. Aber meine Aussage, dass man auch mit
einfachen Nähmaschinen patchen kann, hat die Dame da wohl zu wörtlich genommen. Und patchen ist ja auch nicht quilten, das hatte sie wohl verwechselt.
Carmen, ich nenne sie mal so, kam zum ersten Kurs nach der Pause, brachte natürlich ihr neues Schätzchen mit und war ganz redselig ob ihres Kaufs. Mit Euphorie erzählte sie den anderen von dem Kauf im Norden der Republik. In einer Ladenstraße, wo es auch Taschen, Koffer, Uhren, "Marken"- Jeans, Schuhe, Obst und Gemüse und andere tolle Sachen gab, entdeckte sie die Maschine. Sie sei neu, unbenutzt, habe sogar noch eine Tasche für den Transport und alles Zubehör, was man sich nur denken kann, so der Verkäufer. Ob sie schnell testen möchte, fragte der geschäftstüchtige Verkäufer, hatte er doch bemerkt, dass ihr Begleiter schon zum Gehen gerufen hatte. Da die Abfahrt des Reisebusses schon nah war, schlug sie zu, als der Preis nochmal um 5! Euro gesenkt und 3! Rollen Nähgarn dazugegeben wurden. Welch ein Geschäft!
Nicht im Reisebus, nicht im Hotel, nicht zu Hause machte sie die Tasche auf und besichtigte alles. Sondern erst im Kurs!!! Nun möchte ich nun aber alles etwas abkürzen. Die Maschine wurde unter Strom gesetzt und sie tat - nichts.  Das Zubehör wurde besichtigt, denn immerhin gab es einen Fuß, einen Pinsel und einen Schraubendreher. Alles suchen half nichts, auch keine Gebrauchsanweisung war vorhanden. Nicht, dass für die Maschine zwingend eine notwendig gewesen wäre, aber ist ein Blick hinein kann manchmal hilfreich sein. Kurz, die Maschine wurde zum Fachmann gebracht, der feststellte dass das Elektrokabel defekt ist. Ein Quiltfuß und eine Abdeckplatte für den Transporteur wurde bestellt und  eine Rechnung von fast 70 Euro bezahlt. Soviel zu dem Schnäppchen.
Das Ende der Geschichte: Carmen konnte sich doch nicht mit dem freien Quilten anfreunden, denn die Maschine machte nicht das, was Carmen wollte. Carmen machte aber auch nicht das, was ich  wollte. Und noch dazu konnte sie nicht verstehen, dass eine erwachsene Frau sowas üben sollte. Und so haben sich alle unsere Wege getrennt. Die Maschine wurde wieder verkauft, für ganz kleines Geld. Carmen will nicht mehr quilten, nur noch patchen. Ein neuer Quilt- Versuch? Vorerst nein. Vielleicht später. Irgendwann. Sie will sich melden. Und Ausschau nach einer neuen Maschine halten. Vielleicht eine, die das quilten evtl. ganz alleine kann.
  

Freitag, 13. Januar 2017

Schnee- Schnee- und noch mehr Schnee


Was macht Katze, wenn es draußen ungemütlich wird? Wenn die menschlichen Herrschaften sich mit dem Schneeräumen beschäftigen und mit den Nachbarn über den Winter meckern? Na klar, dem geht Katze aus dem Weg und sucht sich ein warmes Plätzchen auf einem schönen Quilt. Zur Not teilt Katze sich dieses mit der Schwester. Ach, ist das Leben schön.

Dienstag, 3. Januar 2017

Frau W. und ihre kuriosen Wünsche



Vor längerer Zeit bekam ich einen Auftrag von einer Kundin, die ich mal auf einem Markt kennen gelernt und ein langes, sehr nettes Gespräch geführt habe. Ich muss das vielleicht mit dem Markt erst erklären. Zwei mal im Jahr, nämlich vor Ostern und vor Weihnachten nutze ich das Angebot in einem schönen Schloss in der Region und biete an einem kleinen Verkaufsstand meine selbst genähten Sachen an. Nicht dass der Eindruck erweckt wird, ich würde gezielt für einen Markttag nähen. Nein, so ist es nicht. Sondern: Ich habe mir gleich am Anfang meiner Kursleitertätigkeit angewöhnt, alle Projekte, die ich mit den Frauen nähen möchte, vorher mal zur Probe zu nähen, um die Schwierigkeiten auszuloten. So umgehe ich(meist) unangenehme Überraschungen in den Kursstunden. Natürlich sammelt sich dann im Laufe des Jahres einiges an, was in Schränken und Truhen dann sein Dasein fristet. Manches sind einmalige Projekte, aber da ich gerne Experimente mache wird das eine oder andere dann doch in veränderter Form noch mal genäht. Nicht alles kann man selbst gebrauchen oder verschenken, also wird es an solchen Markttagen verkauft.  
Diesen Verkaufsstand bestücke ich gemeinsam mit meiner Schwester, die Malerin ist und alles bemalt, was halbwegs Farbe vertragen kann. Das heißt aber nicht, einfach so anstreichen- nein- sie ist eine sehr talentierte Porzellanmalerin und bemalt z.B. Schneckenhäuser, Steine, Schieferplatten und vieles mehr. Selbst wenn wir mal an einem Tag nicht so viel verkaufen wie erhofft ist es immer ein schönes Erlebnis. Uns ist wichtig, einen gemeinsamen Tag zu verbringen, uns zu unterhalten, zu lachen – eben einfach gemeinsam Spaß zu haben.
Schön ist es auch, wenn Menschen für unsere Auslagen Interesse haben, danach fragen, sich Techniken erklären lassen und dann lächelnd weitergehen.
Nicht alles kann man immer in Euro umrechnen.



An so einem Tag lernte ich auch Frau W. kennen. Sie fragte, wie manchmal andere Kunden auch, ob ich auch was ganz bestimmtes in Größe und Design für sie herstellen würde. Sie nahm sich, wie andere auch, eine Visitenkarte mit und ich verabschiedete mich mit den Worten: „Ich freue mich auf Ihre Bestellung!“
Dann kam lange, lange Zeit später eine Mail von Frau W. in der sie einen Wandquilt bei mir bestellte. Sie nannte mir die Größe und gab mir vier Themen vor, die ich zur Auswahl für die Gestaltung nehmen könnte:
1.     Eine Straßenansicht mit Häusern, aus den Fenstern sollten Menschen schauen oder

2.     Eine Unterwasserwelt mit Pflanzen, Fischen und einer Nixe oder

3.     Einen Tisch vor einem Cafe´, an dem zwei dicke Damen sitzen und unter dem Tisch sollte ein Mops sitzen oder

4.     Ein Weg mit Steinen, am Rand wächst Löwenzahn

Puh, das gab mir erstmal zu denken und kurz, aber nur ganz kurz hab ich überlegt, ob ich mich als „unbekannt verzogen“ ausgeben soll.
Dann habe ich mich aber entschieden, den Auftrag auszuführen. Das letzte Thema schien mir am besten umsetzbar zu sein. Ich war völlig frei in den Farben, da legte sie sich nicht fest. Also machte ich zwei Entwürfe und schickte sie ihr zu, sie entschied sich und ich konnte loslegen.
Ich habe selbst gefärbte Stoffe verarbeitet, Fotos auf Stoff ausgedruckt und nur einen kleinen Rest gekauften Stoff mit Steinmuster vernäht. Ich habe appliziert, gequiltet und Perlen verarbeitet. In der Zwischenzeit immer mal wieder den Stand mit Frau W. besprochen oder beschrieben oder bemailt oder wie nennt man das, wenn man per Mail kommuniziert???
Dann kam der große Tag, den Frau W. herbeisehnte. Ich schickte den Quilt ab mit der Bitte, ihn zu begutachten und erst dann, wenn sie zufrieden sei, zu bezahlen. Lustigerweise waren an dem Tag, als das Päckchen bei ihr ankam, gerade ihre Nachbarinnen zu einem Kaffeeklatsch bei ihr und mein Quilt wurde von allen Seiten begutachtet. Sie bestätigte mir überraschender Weise den Empfang und die Freude über das Werk per Telefon. Der Lärmpegel im Hintergrund sagte mir, dass wahrscheinlich nicht nur Kaffee getrunken wurde und alle Damen ließen mich unbekannterweise grüßen. 

Löwenzahn am Wegesrand  70 x 120 cm
Löwenzahn Details

Dass sie zufrieden war, davon bin ich überzeugt. Denn sie hat noch mehr Aufträge bei mir ausgelöst, die immer zu ihrer Zufriedenheit waren: Gardinen in Pojagi- Technik, Fensterbilder, Tischsets und Tischläufer. Sehr kurios war die Bitte, einen Bezug für ihren Toaster anzufertigen. Es sollten Häuser zu sehen sein, mal bei Tag, auf der Rückseite in der Nacht. Na ja, sie mag eben Häuser. 


Aber ich habe von da an sehr über mich nachgedacht, denn ich kann zwar gut nähen, aber eine gute Hausfrau scheine ich nicht zu sein, denn mein Toaster hat (noch) keinen Patchwork- Überzug!