ist unser Schaukelstuhl.
Eigentlich muss ich sagen, schon sehr alt.
Und mit ihm verbindet mich eine Geschichte:
Als ich so 13- 14 Jahre alt war gab es in der Nachbarschaft in unserem kleinen Dorf ein leerstehendes Haus. Das sollte abgerissen werden und wir Kinder stromerten oft durch dieses Haus. Es war immer etwas unheimlich, denn da standen noch einzelne Möbel, Sofas, Betten, Schränke, teils kaputt, manche noch mit etwas Inhalt. In einem der Räume lagen alte, aufgeschlitzte Bettdecken und die Federn flogen bei jeder Bewegung im gesamten Haus umher.
Zu diesem Haus gehörten natürlich auch Nebengebäude, u.a. ein Hühnerstall. Im Stall stand als Sitzmöglichkeit für die Hühner dieser alte Schaukelstuhl. Mich faszinierte die Form, weil er auf einem Unterbau mit zwei großen Metallfedern befestigt war. Anders, als normale Schaukelstühle aussahen.
Meine Oma sagte, dass er aus den 1920iger Jahren sei, da hätten die alten Nachbarn ihn zu einem Ehejubiläum als Geschenk bekommen.
Irgendwann holte ich mir diesen Schaukelstuhl nach Hause. Die Polsterung war schon abgerissen. Ich machte ihn sauber, denn er war über und über mit Hühnerkacke verschmutzt.
Das war eine langwierige, unangenehme Geschichte, denn es gab zu dieser Zeit noch keinen Hochdruckreiniger. Und ich durfte, weil meine Mutter die Sache gar nicht gut geheißen hat, auch kein Wasser aus dem Wasserhahn entnehmen. Ich musste mit der Gießkanne und dem Regenwasser aus der Tonne und einer Bürste arbeiten.
Aber er wurde sauber - der Schaukelstuhl. Ich glaube, ich habe ein paar Tage dafür gebraucht. Dann stand er ein paar Jahre unbeachtet in unserer Scheune.
Als ich heiratete und wir unsere erste Wohnung bekamen ließen wir ihn von
einem Fachmann neu aufarbeiten. Gobelinstoff war damals der Hit. Der Polsterer war
von dem Teil so begeistert, dass er ihn von uns abkaufen wollte. Das Geld,
welches er uns geboten hat, hätte uns schon gereizt. Wir hätten uns etwas Schönes
für die Wohnung kaufen können. Aber ich blieb dabei, ich wollte ihn behalten. Auch wenn die Rechnung für den Polsterer für uns junge Leute ein kleines Vermögen bedeutete.
Erst stand er in unserer Wohnung und seit 30 Jahren nun in unserem Haus. Als Sitzgelegenheit ist er eigentlich nie wirklich benutzt worden. Er ist jedoch der Stammplatz unserer Katze Charly.
Der Bezug müsste mal erneuert werden. Aber ich glaube, Charly möchte das nicht so gerne.
Also bleibt er erstmal so, wie er ist.
Er ist nun um die 100 Jahre alt, und ich habe ihn davon die Hälfte der Zeit in meinem Besitz. Ich hänge an ihm wie an einem langen Weggefährten.
Ich verlinke meinen Beitrag unter dem Thema "sehr alt" bei Martins Fotoreise.






















