Montag, 11. September 2017

Die Entscheidung



Heute Mittag ist wieder Kurs und ich werde meiner Kursteilnehmerin und Quiltinteressentin nicht das Quilttop, sondern einen Zettel übergeben. Auf dem Zettel habe ich, wie euch schon berichtet, die Kalkulation gemacht. Ich werde sie bitten, sich das alles zu Hause in Ruhe und gut durchzulesen. Sonst werde ich dazu keinen Kommentar weiter abgegeben, da ich mich ja mit dem Kursthema und den anderen Damen beschäftigen muss.

Aber hier möchte ich noch mal auf eure Kommentare eingehen, das hatte ich ja versprochen.

Jeder ist doch erfreut, wenn er die Frage gestellt bekommt, ob man das eine oder andere verkaufen würde. Ich gebe zu, dass es mir schmeichelt, wenn man mich danach fragt. Wie ich schon einmal berichtet habe, stelle ich kaum Sachen her, die nur zum Verkaufen entstehen. Manchmal bekomme ich Anfragen, das stimmt. Die erfülle ich dann auch gerne. Eine vorherige (geschätzte) Preisabsprache ist da notwendig. Zum Verkaufen kommen ansonsten die Unikate, die für meine Kurse als Anschauungsmaterial angefertigt wurden. Ich kann mir nicht alles an die Wände hängen, nicht mit so vielen Taschen umhergehen und es ist auch nicht so kalt bei uns, dass wir so viele Quilts zum Zudecken brauchen. Und doch nähe ich auch ganz gerne für mich und meine Familie, dann sind der Zeitaufwand und das Material ohnehin unwichtig.
Ich verstehe mich auch nicht als Künstler, sondern eher als Handwerker. Nur manchmal geht es bei bestimmten Objekten über das Handwerkliche hinaus, das gehört einfach dazu. Und dann entsteht auch bei mir etwas was ich als Textilkunst bezeichne. Nämlich dann, wenn ich eine Idee habe, diese Idee in meinem Kopf immer mehr Gestalt annimmt, ich mir einen Entwurf mache, mich mit geeigneten Materialien auseinander setze, Stoff färbe, Arbeitsproben mache, nähe, trenne, verwerfe, neu mache, um dann schlussendlich zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Das ist beim Aneinander nähen von Hexagons natürlich nicht der Fall, deshalb ist das für mich auch keine Kunst. Auch das Nacharbeiten von Dingen aus Büchern und Zeitschriften gehört für mich nicht dazu, mag es noch so kompliziert sein.
Also nun meine Entscheidung: 

Ich werde das Teil nicht verkaufen! 

Mag sein, dass die gute Frau enttäuscht ist. Mag auch sein, dass sie erfreut ist, da sie doch jetzt versteckt einen Preis erfahren hat und keine Entscheidung treffen muss- egal welche. Mag sein, dass sie nun auch ihre "Hand-Näharbeiten" aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und anders wertschätzt. Vielleicht wird sie dadurch auch ihre eigene Arbeiten mal aus dem Blickwinkel einer Verkäuferin betrachten. Denn auch sie gehört zu den Frauen, die auf die Frage, welche Zeit sie für die Anfertigung gebraucht habe, antwortet: Das weiß ich nicht, ist auch egal, es macht mir doch Freude. 


Wie auch immer. Ich werde im Winter den Quilt mit Vlies und Rückseite versehen, werde ihn- selbstverständlich- mit der Hand quilten. Während dessen wird er auf meinem Beinen liegen und nicht nur sie, sondern auch meine Seele wärmen. Und ich werde ihn vielleicht noch oft mit zu Ausstellungen nehmen, um zu zeigen, wie kleinteilig Patchwork machbar ist. 
Und das ist doch auch was, oder?
  


Kommentare:

  1. Gute Entscheidung.
    Liebe Grüße, Inge

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  2. Hallo Regina,
    du hast alles wunderbar beschrieben....ich hätte mich auch so entscheiden!

    LG Klaudia

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  3. 👍👍👍
    Vollkommen richtig! Da bin ich ganz auf Deiner Seite!
    Sehr gut gelöst!

    Liebgruß,
    Tiger
    🐯

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  4. Liebe Regina, wer weiss wieviel Mühe und Zeit in diesem Quilt steckt, kommt nicht auf die Idee ihn kaufen zu wollen. Für mich wäre er auch unverkäuflich gewesen.

    Viele Grüße von Rita

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  5. Liebe Regina, wer weiss wieviel Mühe und Zeit in diesem Quilt steckt, kommt nicht auf die Idee ihn kaufen zu wollen. Für mich wäre er auch unverkäuflich gewesen.

    Viele Grüße von Rita

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Liebe Regina, wer weiss wieviel Mühe und Zeit in diesem Quilt steckt, kommt nicht auf die Idee ihn kaufen zu wollen. Für mich wäre er auch unverkäuflich gewesen.

    Viele Grüße von Rita

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  8. Eine sehr weise Entscheidung.
    LG Martina

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  9. Wenn Du das so entschieden hast, war es richtig so! Nie etwas machen, nur weil anderes es so erwarten oder verlangen.

    Nana

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  10. Während man mit Liebe zum Detail und zum Handwerk etwas herstellt entsteht eine Beziehung zu den Dingen, Gedanken und Entscheidungen fließen ein mit den vielen Stichen. Um so länger die Zeit des Miteinander, um so schwerer trennt man sich. Auch ich kenne das. Manchmal ist es leider eine Platzfrage ...
    Auch ich denke, Deine Entscheidung ist richtig.
    LG Ute

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