Montag, 29. Mai 2017

Was wäre wenn...

es jeden Tag so wäre wie am Samstag abend, aber für immer???

Ich sitze auf meinem Sofa im Wintergarten und nähe. Ich folge dabei meinem Hörbuch, es ist  richtig gemütlich. Ich trinke ein Glas Rotwein und geniese den Abend. Draußen wird es langsam dunkel. Meine Oma sprach immer von der blauen Stunde. Der Übergang vom Tag zur Nacht.
Dann passiert etwas, womit man selten rechnet- Stromausfall! Und ich vermutete, dass das ja in der heutigen Zeit nur eine Momentsache sei und dass der Strom schnell wieder kommt. Ist ja gemütlich, auch mal eine Kerze anzuzünden. Und still dazusitzen, die Hände mal ruhig in den Schoß legen und einfach nichts tun. Die Zeit geht dahin. Alles ist dunkel, beim Nachbarn, auf der Straße, auch das Telefon und das Handy funktionieren nicht.  Nur im Garten gegenüber sieht man ein paar Solarleuchten. Ich hole mir eine Taschenlampe und versuche, zu lesen. Lange geht das nicht, die Augen werden müde.
Und es ist still, sehr still, fast unerträglich still. Kein Vogel ist mehr zu hören, kein Autolärm, keine Menschen auf der Straße, kein Geräusch von Radio oder Fernseher. Es ist garnicht so leicht, diese Stille auszuhalten. 
Fast 2! Stunden gibt es keinen Strom. Obwohl ich ja eigentlich schlafen gehen könnte, bleibe ich wach. Und ich denke nach- wie es wäre- ohne Strom- für immer???
Kein Licht in der Dunkelheit, keine Möglichkeit zum Kochen, die Heizung funktioniert nicht, der Kühlschrank kühlt nicht mehr, keine Kaffeemaschine, die angestellt wird, keine Nähmaschine die surrt, kein Telefongespräch ist möglich und auch der Computer bleibt aus... 
Das Garagentor funktioniert nicht ohne Energie, auch die Rollläden bleiben so wie sie sind. Je länger man darüber nachdenkt umso erstaunlicher wird es, wie selbstverständlich wir den Lichtschalter oder ein Elektrogerät betätigen. Kaum jemand denkt mehr darüber nach wie es wäre, wenn es nicht mehr so wäre. Wir haben uns an all diese Dinge schon mit so einer Selbstverständlichkeit gewöhnt, dass wir nicht mehr darüber nachdenken.... Und doch gibt es noch viele Menschen, die haben keinen Strom oder können sich keinen leisten. Sie leben auch, vielleicht auch glücklich- denn sie kennen es nicht anders.
Dann, nach fast 2 Stunden gingen alle Lichter wieder an, das Hörbuch lief wieder und das ganz normale Leben konnte weiter gehen. 
Aber nachdenklich gemacht hat es mich schon. Und euch?


Kommentare:

  1. Wir hatten vor ca. 8 Jahren mal einen Stromausfall für zwei Stunden und es war bis heute ein unvergesslicher Abend. Auch die Kinder, damals 6 und 8, erinnern sich sehr gut an diesen Abend. Ich zündete in jedem Raum ein Teelicht an, das war definitiv genug in dieser Dunkelheit. Erstaunlich, wie hell ein kleines Licht macht, wenn es überall kein Licht gibt. Ich kochte nicht, wir setzten uns in Wohnzimmer und aßen Brot, überall im Wohnzimmer Kerzen. Alles um uns herum war dunkel, nirgends in anderen Fenstern sah man Kerzenlicht. Die Taschenlampe hatten wir nicht angemacht, Kerzenlicht war viel schöner, da es sich ja auch bewegt.
    Gäbe es keinen Strom , hätten wir Petroliumlampen und Holz- oder Kohleöfen, wir hätten Kamine oder offene Feuerstellen, wir würden nicht duschen, wir würen 1 x die Woche oder Monat baden, die andere Zeit wäsche man sich. Wir hätten Pferde und Kutschen und eine Historikerin erzählte mir mal: "Damals stand man mit der Sonna auf und ging mit ihr schlafen, d.h. die Wintertage waren tatsächlich recht kurz, dafür aber die Somemrtage sehr lang und es hieß viel arbeiten. Es war nicht immer alles toll früher, aber an diesem Abend rückten wir näher zusammen, nicht im wörtlichen Sinn, aber gefühlt.

    Nana

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    1. Sicher hast du Recht, mit allem. Aber wenn man alleine zu Hause ist, über das "Problem", was ja eigentlich keines war, mit niemanden sprechen kann, ist es doch eigenartig. Ich selbst brauche keinen Stromausfall, um bei Kerzenschein zu sitzen, das mach ich oft, vorallem im Sommer - draußen. Aber doch hat mich die Situation nachdenklich gemacht. Ich würde dann vieles missen, nicht nur die Funktion meiner Nähmaschine(n).

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  2. Ja wirhaben schon oft darüber nachgedacht. Meine Oma hat mir oft erzählt von dieser Zeit ohne Strom. Ja, die Menschen waren glücklich. Vor allen aber zufriedener.

    Ein besonderes Erlebnis hatten wir als wir im letzten Herbst in Dänemark waren. Im Ferienhausgebiet gibt es keine Straßenbeleuchtung. Es war dunkel, richtig dunkel! Wenn ich abends mit dem Hund raus war ging ohne Taschenlampe gar nix. Sonst hatte ich mir die Beine gebrochen. Keine Schlaglöcher kein Ast auf dem Weg lag war zu sehen. Dafür aber der Sternen Himmel und was für ein Himmel und unendlich viele Sterne waren zu sehen. Das Band der Milchstraße, zog sich über uns hinweg. Bei uns am Stadrand ist es schon gar nicht mehr zu sehen. Wir waren schwer beeindruckt. Und aus den wenigen bewohnten Häusern leuchtete ein freundliches Licht. Kalt war es draußen schon, Frost in der Nacht. Wir haben dort auch mit dem Ofen geheizt. Nicht weil es so schön war, das war es auch aber die kleine Elektroheizung schaffe es nicht die die Raume warm zu bekommen. Ein kleines bischen wie früher war das schon.
    Liebe Grüße, Marita

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  3. Danke für deine netten Worte. Ich denke, man sollte sich bei allem etwas bescheidener geben, nicht immer mehr und besser und größer und, und...
    Da würde das Wertegefühl auch wieder etwas besser.

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  4. Liebe Regina,
    Immer wenn Stromausfall ist denke ich an meinen New York Aufenthalt, wo Hurrikan Sandy an der Ostküste gewütet hatte.Für uns bedeutete dies 1 Woche in New York ohne Strom, wohnend im 14. Stock. Wir brauchten uns nichts vorzustellen, alles konnten wir live erleben. Abends bei Kerzenschein war auch gemütlich.

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  5. Ja, wir machen uns viel zu selten bewußt in welchem Luxus wir leben.
    Auch wenn die Elektrizität unseren Alltag unterstützt, oft sogar bestimmt, eigentlich ist sie Luxus. Sie macht unser Leben angenehm und bequem, aber oft auch schnelllebiger.
    Ich mag es, wenn die Menschen bei Kerzenschein "näher zusammenrücken".

    Herzlichst Marle

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  6. Nicht nur Strom ist ein Luxusgut in unserem zivilisiertem Leben, sondern auch das Wasser, das so ganz selbstverständlich aus dem Hahn läuft, wenn man ihn aufdreht.
    LG Martina

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